Absage Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag – Stilles Gedenken an die Opfer

Aufgrund der Verschärfung der Corona-Lage wird die für Sonntag, den 15. November 2020, geplante Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag auf dem Sossenheimer Friedhof abgesagt. Derzeit gilt es, Kontakte so gut es geht zu reduzieren, um eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus zu vermeiden. Daher hat sich der Vereinsring Frankfurt-Sossenheim in Absprache mit der Kath. Gemeinde St. Michael-Sossenheim und dem VdK zu diesem Schritt entschlossen – im Interesse aller Teilnehmenden.

Gemeinsam mit der kath. Gemeinde St. Michael und dem VdK wird der Vereinsring Frankfurt-Sossenheim den Verstorbenen der Kriege und Gewaltherrschaft im Stillen gedenken und sie würdevoll ehren.

Anbei erhalten Sie die Ansprache von Frau Lieselotte Bollin, Vertreterin der kath. Gemeinde St. Michael Frankfurt-Sossenheim, zum Volkstrauertag:

Volkstrauertag 2020

In diesen Corona-Zeiten ist, wie so viele, auch diese Veranstaltung, das jährliche Gedenken an die Kriegsopfer auf dem Friedhof, ausgerichtet von Vereinsring und VdK, abgesagt worden. Menschenansammlungen sind zu vermeiden. Trotzdem sollten wir gerade in diesem Jahr, dem 75. Jahr des Kriegsendes einen Blick auf den Sinn dieses Treffens auf dem Friedhof werfen. Wir gedenken zunächst der Opfer der beiden Weltkriege. Viele von uns haben aus der Generation der Eltern oder Großeltern Menschen in diesen beiden verheerenden Kriegen verloren. Vor allem die Rückkehrer und wir, als Nachkriegsgenerationen haben durch Erzählungen und durch die Aufarbeitung der Geschehnisse in Büchern und in Schule und Universitäten an diesen Erlebnissen teilgehabt. „Nie wieder Krieg“ ist die wesentliche Erkenntnis aus den Geschehnissen im vergangenen Jahrhundert.

Zum Glück konnten meine und die nachfolgenden Generationen in Deutschland bisher im Frieden leben. Wir können nur hoffen, dass das so bleibt.

Dennoch hat es auch nach 1945 auf der ganzen Welt Kriege gegeben. Oft waren sie so weit weg, dass wir nur über die Nachrichten damit konfrontiert wurden. Spätestens seit wir Flüchtende aus Kriegsgebieten hier in großer Zahl aufgenommen haben, sind wir wieder mit Krieg konfrontiert. Deshalb gedenken wir all derer, die die Folgen von Krieg und Terror weltweit zu ertragen haben und derer, die ihr Leben in diesen vielen furchtbaren Auseinandersetzungen gestern und heute verlieren mussten.

Das Ansteigen der Weltbevölkerung, der damit verbundene Bedarf an Platz, die Notwendigkeit, Lebensmittel zu erzeugen, der Bedarf an Wasser, lassen Auseinandersetzungen um die knapper werdenden Ressourcen entbrennen. Dazu kommen egomanische Diktatoren, die in wichtigen Ländern an der Macht sind.

Ideologien und Rechthaberei, verkrustete Denkstrukturen und mangelnde Toleranz, oft beruhend auf mangelnder Bildung, lassen viele im Mitmenschen einen Feind sehen und zur Waffe greifen. Auch bei uns in Europa haben wir verstärkt mit den Folgen davon zu tun. Denken wir nur an die unschuldigen Opfer der islamistischen Angriffe in Frankreich.

Ich bin unserer Regierung und der der Europäischen Union dankbar, dass sie bemüht sind, Konflikte friedlich auszutragen und in Gesprächen nach Lösungen zu suchen. Dennoch ermöglicht auch Deutschland als großer Exporteur von Waffen kriegerische Auseinandersetzungen.

Wir können die Konflikte dieser Welt als Einzelne nicht beeinflussen. Jeder Einzelne von uns kann sich aber bemühen, ressourcenschonend zu leben, Rücksicht auf andere zu nehmen und Meinungsverschiedenheiten friedlich auszutragen. Demokratie und Frieden sind nur zu erhalten, wenn sich alle an die Verfassung und die Gesetze halten und den Willen zum Frieden haben.

Lieselotte Bollin – Volkstrauertag, 15.11.2020 

 

 

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